Die MISTEL, ein verhängnisvoller Fehler (#053)

 

Die Mistel ist ein immergrüner Strauch der oben auf den Zweigen von Bäumen wächst. Im Winter wenn der Baum kahl ist, kann man das Sträuchlein gut sehen. Die weissen Beeren des Strauches sind giftig. Mit diesem Gift wurde jemals einen Brudermort begangen. Höre diese Edda-Tragödie an.

Vor langer Zeit waren List und Betrug, Neid und Mord keine unübliche Erscheinungen in Gotteskreisen. In jenen Tagen lebte ein schöner junger Gott der bei allen beliebt war. Sein Name war Baldur, Gott des Lichtes. Während seiner Jugend wurde Baldur gequält von wiederkehrenden Albträumen in denen er ermordet wurde. Seine Mutter interpretierte dies als eine Voraussage. Sie fürchte sich so ihren Sohn zu verlieren, dass sie allen möglichen Mördern  zwang unter Eid auszusagen, dass sie Baldur nicht töten würden. So besuchte sie giftige Pflanzen, gefährliche Bäume,  konkurrierende und eifersüchtige Götter, wilde Tiere, Trollen, Zauberer, Überschwemmungen, Sturm und Gewitter. Alle gelobten nie ihren Sohn etwas an zu tun. Als die Muttergöttin allen möglichen Mörder dieses Versprechen abgezwungen hatte, war sie sehr erleichtert. Ihr Sohn war unverletzbar vor allen Gefahren.  Es hatte jedoch einen Augenblick von Unachtsamkeit gegeben. Sie hatte ein unschuldig aussehender Strauch nicht gesehen. Dies war ein giftiger Strauch der wuchs an anderen Bäumen, die Mistel. Baldur wuchs sorglos auf zu einem wunderschönen und beliebten Gott, der sich gerne balgte und gerne kämpfte. Weil gemeint wurde er sei unverletzlich, übten seine Freunde sich auf ihn mit  schwertkämpfen und Pfeile schiessen.

Aber der kleine Gott des Bösen verabscheute seine schönen, starken und populären Bruder. Heimlich schärfte er von einer einzigen Mistel einen dünnen scharfen Pfeil den er einrieb mit dem giftigen Saft der Beeren. Die Mutter von Baldur war verzweifelt als sie einsah dass sie damals  die Mistel nicht gesehen hatte, die ihren Sohn getötet hatte. Ihre Tränen kann man noch immer sehen in den weissen Beeren des Strauches.

 

Die Mistel ist ein Halbschmarotzer aus der Vogelleimfamilie. Es sind kleine Sträucher die auf Stämmen oder Ästen von Bäumen wachsen und wurzeln, hauptsächlich auf Pappel und Obstbäumen. Im Winter ist dieses immergrünes Sträuchlein gut erkennbar inmitten kahler Ästen. Erst am Ende des Winters reifen die weisse Beeren die ein zähes schleimiges Fruchtfleisch enthalten, dass die Drossel lieben. Die Vögel schaben den Schleim der Beeren von ihren Schnabeln durch das Streichen über Äste, wodurch die Samen einen neuen Nahrungsboden finden.