Wie die Mücke betrogen wurde (022)

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Wer eine Mücke unter einer Lupe betrachtet sieht ein wunderbares, zierliches Insekt mit einem langen Rüssel. Aber trotz der Zierlichkeit hat beinahe jeder eine Abneigung gegen dieses kleine Insekt. Die kleinen Blutflecke in so manchem Schlafzimmer sind der Beweis.


König Salomon regierte vor ungefähr 3000 Jahren über Israel. Der König konnte das Gebrüll der wilden Tiere verstehen, genauso wie das Zischen der Schlangen, den Gesang der Vögel und das Summen von Insekten. Sogar die Sprache von Bäumen und Pflanzen und das Gerede der Menschen verstand er. Er war es auch, der den Tieren ihre Nahrung zuwies. Dem einen gab er das Fleisch der schwachen Tiere, dem anderen Kräuter und wieder anderen Körner und Beeren. Zu der Schlange sagte er: ‘Du bekommst das süße Blut der Menschen.’
Doch die Menschen kamen sich in Windeseile beim König beschweren: ‘Die Schlange ist ein gemeines und hinterhältiges Tier! Sie versteckt sich in Sträuchern und greift uns plötzlich an. Wir haben keine ehrliche Chance. Durch die Schlangen wird die Zahl der Menschen so klein, dass wir vielleicht in Kürze ausgestorben sein werden.’
Der König dachte nach und sprach mahnend: ‘Weshalb sollte ich der Schlange ihre Nahrung wegnehmen? Ihr sitzt nur da, fühlt euch hilflos und werdet so zum Opfer der intelligenten Schlange.’ Entmutigt und voller Angst kehrten die Menschen zurück zu ihren Häusern.
Während der Jahresversammlung beklagten sich die Menschen erneut über die gemeine Schlange:   ‘Wir sind besser als die Tiere, wir verdienen Schutz!’ Alle Tiere brüllten, bellten, knurrten und schrien aus Protest. ‘Still!’ rief der König. ‘ Ich gebe hiermit dem kleinsten hier anwesendem Tier  die Aufgabe herauszufinden welches Lebewesen das süßeste Blut hat. Die Schlange bekommt denjenigen mit dem süßesten Blut.’
Nachdem die Mücke ein Jahr lang auf der Suche gewesen war machte sie sich erneut auf den Weg zu der Versammlung. Die Menschenfreundin, die Schwalbe, flog ein Weilchen mit der Mücke mit und fragte nach, wer denn jetzt das süßeste Blut habe. ‘Die Menschen’ summte die Mücke. ‘Was sagst du da?’ fragte die Schwalbe. Die Mücke öffnete ihren Schnabel um zu antworten doch genau in diesem Moment biss ihr die Schwalbe die Zunge ab.
Während der Jahresversammlung fragte der König die Mücke natürlich, wer denn jetzt das süßeste Blut habe. ‘Grraahuu’ sagte die zungenlose Mücke. ‘Was sagst du denn da, Mücke?’ fragte der König; aber die Mücke konnte nichts weiter als ein weiters ‘Grraahuu’ herausbringen. Da wurde der König böse, woraufhin die Schwalbe rief: ‘König, die Mücke hat unterwegs plötzlich ihre Stimme verloren. Wir flogen hier zusammen hin und sie erzählte mir unterwegs, dass der Frosch das süßeste Blut habe.’ Der König interpretierte die wilden Gebärden der Mücke als Zustimmung und sprach: ‘Also gut, wenn das so ist wird ab dem heutigen Tag der Frosch die Nahrung für die Schlange sein.’ Die Schlange protestierte jedoch: ‘Der Frosch ist ganz und gar nicht süß!’ aber aller Protest war vergebens.
Seitdem isst die Schlange Frösche, doch ab und zu kann sie es nicht lassen und beisst einen Menschen um das herrliche süße Blut zu schmecken.

Und die Mücke? Die ist so böse auf die Menschen, dass sie so oft wie möglich deren süßes Blut trinkt und es den Menschen danach teuflisch juckt.

Und was ist aus der Schwalbe geworden? Die Menschen waren so froh über den Betrug der Schwalbe, dass diese als einzige ihrer Art in ihren Häusern gastfreundlich empfangen wird. Schwalben leben dicht bei den Menschen, brüten unter ihren Dächern in Häusern und Scheunen und essen als Dank so viele Mücken wie sie können.

Die bekanntesten Mücken sind die Stechmücken, die Tanzmücken und die Gnitzen. Was wir im Volksmund eine Mücke nennen ist die Stechmücke. Genau wie Vögel sind auch Mücken Pflanzenfresser (Säfte und Nektar) die aber für ihre Eier Eiweiße in der Form von Blut benötigen.  Darum stechen nur die weiblichen Mücken. Tanzmücken, die etwas größer sind, stechen nicht. Mann sieht sie in Grüppchen, auch im Winter sobald die Sonne scheint und diese ein bisschen Wärme spendet, über Pflanzen hoch und runter tanzen.
Gnitzen oder auch Sandfliegen sind Minimücken die vor allem in sehr feuchten Gebieten wie zum Bespiel Mooren leben. Auch hier stechen ausschließlich die Weibchen.

 

© Els Baars, Natuurverhalen.nl