Nichts is umsonst, Der Häher (036)

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Ein Häher ist nicht umsonst ein schöner, auffallender, und lauter Vogel geworden. Er war mal ein lieber, unauffallender und schüchterner Vogel, der auffallend, schlau und stark sein wollte. Von schwierigen Abenteuern bekam er die hellblaue Flügelfeder, den weiβen Steiβ, schwarzen Schnabel und freches Benehmen. Lies in diesem neuen Märchen was er dafür anstellen sollte.

Eines Tages saβ in Flandern ein unauffallender, hellbrauner Vogel still auf einem Zweig und meckerte vor sich aus. Auf einmal hörte er eine leise Stimme neben sich:  “Warum jammerst du so, Häherchen?“ Der Vogel konnte seine Augen nicht glauben als er eine durchsichtige, kleine Erscheinung auf einem Zweiglein vor sich sehen sah.  “Wer bist du?“ fragte er.
“Ich bin eine Fee. Weshalb bist du so unzufrieden? Für mich bist du ein Schatz und ich sehe daβ alle Vögel dich sehr gern haben.“ Der trübe Häher antwortete:  “Ich gehöre nicht wirklich zu meiner Familie, die Krähen. Ich bin häβlich, dumm und schwach. Mein Leben wäre viel schöner wenn ich schön, auffallend, schlau und stark wäre. Die kleine Fee zeigte ihr Zauberstäbchen und sagte:  “Ich erfülle alle deine Wünsche, alles ist möglich. Sag mir was du möchtest.“
Der Häher strahlte. “Ich möchte einen bunten Federanzug mit Hellblau auf meinen Flügeln und ich möchte auffallend weiβe Feder wenn ich fliege. Und,  “so fuhr er schüchtern fort,  “ein groβer Schnabel und Haaren an meinem Kopf wie bei den Menschen, straff nach hinten gekämmt.“
“O.K.“ sagte die kleine Fee “aber für jeden Wunsch sollst du ein schweres Abenteuer durchstehen. Nichts ist umsonst. Siehst du da den hohen Berg? Wenn du tüchtig suchst findest du dort eine schöne blaue Farbe. Fliege dann in die Stadt und klaue das gekämmte Haar von den Menschen. Aber zuerst gehst du in das Steinkohlenbergwerk und grabe dort tief. „
Voller Unglaube schaute der Vogel die Fee an.  “Danke schön. Ich möchte nicht undankbar erscheinen, aber ich möchte auch so gern stark und schlau sein wie die anderen Krähen, damit ich im Winter keinen  Hunger leide.“
Die Fee sagte lächelnd:  “Mache dir keine Sorgen, Häherchen, da werde ich für sorgen, geh jetzt.“
In dem Steinkohlenbergwerk hackte der Häher mit viel Mühe in die schwarze Steine und nach Stunden war es nur ein Schnabel tief. Laut verfluchte er die Fee,die auf einmal lachend vor ihm stand. 
“Ich habe dir doch gesagt: nichts ist umsonst? Du kannst aufhören und deine Farben auf dem Berg holen.“
Dieser Berg war viel schöner als er gedacht hatte, die Luft war dünn. Erschöpft und nach Luft schnappend kam er herauf. Stolz darauf daβ er die Höllentour überstanden hatte sah er daβ da Schnee auf den Federn lag.  Gerade unterhalb der Spitze lag ein wunderschöner See, mit der hellblauen Farbe wovon er träumte. Der See gab ohne zu Zögern Blau für seine Flügel her. Riesig froh darüber setzte er seine Fahrt in die Stadt fort und ruhte sich danach auf einem hohen Turm aus.
“Die Stadt ist wie ein Ameisenhaufen,“ dachte er laut. “die Menschen gehen in langen Reihen hintereinander her und verschwinden in ihren kleinen Höhlen oder in Tunneln unter der Erde.“
Er flog zu einem sonnigen Ort wo sie alle auf einem Häuflein beieinander saβen und lieβ sich nieder auf dem Kopf eines Mannes  mit straff nach hinten gekämmtes Haar. Er wollte sich die Haare greifen, aber bekam Schläge und konnte mit knapper Not entkommen. Tagelang saβ er in den Bäumen um den Platz herum und überlegte sich einen Streik. Als ein Mann in der Sonne ein Nickerchen machte flog er rasch herunter und klaute mit einer Bewegung einen Streifen Haar.
Letztendlich flog er erfreut wieder nach Hause wo die Fee schon in ihrem Baum wartete. “Zufrieden?“  “Ja, Ja, sehr, ich habe das Weiβ vom Schnee, das Blau des Bergsees, das Schwarz der Kohlen und schönes Haar. Aber jetzt möchte ich noch schlau und stark werden.“
Die Fee lächelte:  “Komm, schau dir ins Wasser mal an“ Der Häher war fassungslos. Er sah einen groβen starken Vogel mit funkelnden Augen und ein schönes, blaues, schwarzes, weiβes und braunes Federnkleid. Er besaβ vom vielen Fliegen und von der harten Arbeit eine breite Brust und einen groβen, starken, schwarzen Schnabel der noch gröβer ausschaute wegen des schwarzen Streifens an beiden Seiten.  “Und klug bist du auch, Häher, denn sonst hättest du die schöne schwarze Haare nicht auf dem Kopf gehabt. Deine Wünsche sind erfüllt, ich verschwinde jetzt. Ich habe deine schöne, braune Farbe von früher auf der Brust und auf dem Bauch erhalten, als Erinnerung an derjenige der du mal warst.“ Dann war die Fee verschwunden und der Häher krächzte stolz.

Der Häher gehört zur Familie der Krähen, so wie die Elster, die Dohle und der Rabe. Lange wurde er der “der Eichelhäher“ genannt, aber nach einer neuen Einteilung blieb nur noch “Häher“ übrig. Es sind scheue Waldvögel. Alle Tiere aus dem Wald benutzen seinen Alarm. Diese schlaue und freche Vögel ziehen immer mehr in die Städte und Dörfer, weil dort immer mehr Eiche wachsen. Es sind richtige “Waldbauarbeiter“: im Winter begraben sie einen Wintervorrat Eicheln in dem Wald aber auch in den Gärten. Aus dem vergessenen Eicheln wachsen tausende von Eichen. Es geht gut mit der Gattung und sie nimmt fortwährend in Anzahl zu.

 

© Els Baars, Natuurverhalen.nl