Eine himmlische Belohnung für einen armen gastfreundlichen Mann, Die wilde Karde (034)

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Im Winter sieht man die wilde Karde regelmäßig über der dürren Landschaft herausragen. Engel schenkten einem armen Mann Karden als Dankeschön für einen gastfreundlichen Empfang. Weshalb diese himmlischen Gesandten dankbar waren hört ihr nun in diesem arabischen Märchen.

Vor langer, langer Zeit wurde eines Abends an einem kleinen verfallenen Häuschen angeklopft. Überrascht über den späten Besuch öffnete der arme Bewohner die Tür. Vor ihm standen zwei übermüdet aussehende Männer. Der kleinere der zwei sagte:” Würdiger Herr, haben sie noch ein Plätzchen um zu schlafen für zwei müde Reisenden?” Gastfreundlich winkte der Bewohner die zwei unbekannten herein, teilte sein weniges Essen mit ihnen und räumte in seinem winzigen Häuschen einen Schlafplatz für sie frei. Die Reisenden blieben ein paar Tage wodurch sein bescheidener Vorrat an Lebensmitteln  sich zu Ende neigte. Am dritten Abend entschuldigte der arme Mann sich beschämt: ”Ich würde sie gerne weiterhin kostenfrei bedienen aber ich bin nur ein armer Mann. Ich kann ihnen, meinen Gästen, keine Mahlzeit mehr anbieten. Alle Lebensmittel sind aufgebraucht. Ich rate ihnen bei meinem Nachbarn anzuklopfen. Er ist ein reicher Mann.” Doch an der Tür des weißen steinernen Hauses des reichen Nachbarn wurden die Reisenden innerhalb kürzester Zeit mit einigen Münzen abserviert. Die beiden Männer zogen weiter. Hinter ihren Fenstern guckten der reiche und der arme Mann den beiden Reisenden hinterher die ihren Weg über die staubige Straße fortsetzten und sahen wie sie sich plötzlich in zwei Engel verwandelten und zurückkehrten. Die Engel gaben dem armen man ein kleines Paket und dem reichen Mann ein großes Paket mit Samen. Beide säten gleich voller Erwartung die Samen auf ihrem Acker aus und warteten gespannt was passieren würde. Der reiche ungastfreundliche Mann sah das aus seinen Samen prächtige Blumen wuchsen aber sie blühten nur einen Tag.
„Diese Blumen sind nicht nur unverkäuflich, sie sind auch noch hartnäckiges Unkraut das meine anderen Pflanzen überwuchert“ sagte er zornig. Innerhalb von wenigen Jahren war er ein armer Mann geworden. Auch der gastfreundliche Mann war enttäuscht. „Bester Engel, warum habe ich diese Samen bekommen“? sprach er zum Himmel „sie bringen nur hohe Disteln hervor mit stacheligen Kolben. Was soll ich damit tun? Die Blumen sind nicht einmal hübsch anzuschauen und die Kolben haben merkwürdige Lagen mit kleinen blauen Blümchen“. Doch eines Nachts sah er in einem Traum zwei Schafhirten. „Sage ihnen das sie damit ihre Wolle besser karden (kämmen) können“. Am nächsten Tag zog der Mann mit einem großen Karren voll mit den stacheligen Pflanzen Richtung Markt. Zu seiner eigenen Überraschung kehrte er abends mit viel Geld nach hause zurück. So wurde er innerhalb von ein paar Jahren ein reicher Mann.

Seitdem benutzen die Schafhirten diese Pflanze um ihre Wolle besser karden ( kämmen ) zu können und die Menschen nennen sie Karde.

Im lateinischen heißt die große Karde Dipsacus fullonum. Dipsacus bedeutet Trinkbecher: Die Stängel sind am Fuß  zu einem Schälchen verwachsen worin sich Regenwasser sammelt. Kleine Tiere wie zum Beispiel Insekten trinken daraus. Unter den mittleren Adern des Blattes und an den Stielen sitzen viele gemeine Stacheln. Die zahlreichen Blüten wachsen auf gemeinschaftlichen Stängeln in Form einer stacheligen Kugel. Die Blüte verläuft auf eine besondere Weise. Sie beginnt in der Mitte, die hellblau-violetten Blüten blühen in einem Ring. Danach teilt die Blüte sich. Ein Teil gleitet Lage für Lage blühend nach oben und der andere Teil schiebt sich nach unten. Viele Bienen, Schmetterlinge und Schwebefliegen sammeln Pollen aus den Blüten. Die verdorrte Pflanze bleibt noch monatelang stehen und verziert im Winter die Landschaft.

 

© Els Baars, Natuurverhalen.nl

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