Wie eine Nymphe sich in eine Linde verwandelte (039)

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Die Linde ist ein Baum des Überflusses. Die Blüte in Juni ist reichlig und die Blumen duften abends herrlich. Tag und Nacht sind viele tausende Honigsucher wie Bienen, Hummeln und Nachtschmetterlinge dabei und kosten die Blumen voller Honig. Die Linde repräsentiert die weibliche Kräfte; Schönheit, Glück, Treue, Liebe, Fruchtbarkeit und Trost. Wie sich das so ergeben hat, lesen Sie in diesem griechischen Mythos voll von liebevoller Opferung, höre zu:

Vor tausenden Jahren glaubten die Menschen dass zahlreiche Götter und Halbgötter auf der Welt herumstreiften. Jeder Gott hatte eine oder mehrere Aufgaben.
Einer der Halbgötter war die Meernymphe Philya. Sie war eine der dreitausend Töchter von Tethys, die Göttin von den Meeren und unterirdischen Flüssen. Ihr Vater war Ozeanus, der Gott der Ozeane. Sie hatte auch dreitausend Brüder, die Flussgötter. Ihre dreitausend Schwester waren die Meernymphen, die jede ein Stück Meer auf der Welt beschützten. Philyra beschützte ein Teil des Meeres um Griechenland herum.
Sie wurde schon seit einiger Zeit belästigt von dem Obergott des Augenblickes, Cronos. Er versuchte ihr zu verführen, aber sie wollte mit diesem bösartigen Gott nichts zu tun haben. Eines Morgens lag sie auf dem Strand in der heissen Sonne und genoss den leicht rauschenden Meeres. Auf einmal erschien Cronos und überweltigte sie. Während dieser Paarung sah der Obergott seine Frau sich nähern über den Strand und geriet in Panik. In der Hoffnung sie zu täuschen verwandelte er sich blitzschnell in einen Hengst. Dieser Wechseltrick verursachte dass das Kind das hieraus zur Welt kam einen Zentaur war, namens Chiron. Er war halb Mensch und halb Pferd. Philyra schämte sich so für dieses Monster das sie gebärte, dass sie die Götter anflehte, sie nicht mehr in einer Menschengestalt weiterleben zu lassen. Und die Götter hörten darauf. Sie verwanderten sie in eine wunderschöne Linde. Chiron wuchs am Fusse dieser Linde auf, seine Mutter. In der Gestalt eines Baumes erzog sie ihren Sohn in Weisheit und der Junge entwickelte sich zu einem weisen Zentaur. Viele Könige schickten ihre Söhne für eine nobele Erziehung zu diesem besonderen Zentaur, der stets seine Unterrichte im Schatten der grossen Linde gab. Seitdem repräsentiert die Linde die reichliche Liebe und Nahrung.

Für die Germanen ist die Linde der Baum von Frija, die Göttin von Schönheit, Sensualität und Fruchtbarkeit. In vielen Dörfern standen im Mittelalter die Linden zentral, worunter Recht gesprochen, geheiratet und gefeiert wurde.
Dort gab es auch den Markt, von alters her das Territorium der Frauen. Ein Lindeblatt war das Symbol für freies Grundbesitz ( das Eichenblatt für Hörigkeit). Linden sind hohe Bäume die tief wurzeln und Jahrhunderte alt werden können. Der Honig der Blumen lockt tausende von Läusen. Der Lausenkot verursacht die wohlbekannte Klebrigkeit an alles was unter den Bäumen steht, sowie Banken und Autos.

 

© Els Baars, Natuurverhalen.nl