Die Strafe für einen verantwortungslosen Vater, DER KUCKUCK UND DIE KUCKUCKS – LICHTNELKE (011)

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Im Hochsommer sind Bachränder und offene Flächen im Wald rosé gefärbt durch eine Unzahl von ganz normalen Kuckucksblumen. Warum sind die Blätter der echten Kuckucksblume so zerknittert? Hat die Kuckucksblume etwa mit ihrem Namenvetter dem Kuckuck zu tun? Die Antwort auf diese Fragen ist  in dieser tragischen Liebesgeschichte zu finden. Höre gut zu.

Vor sehr langer Zeit wohnte am Rand einer Graben, nicht weit von den feuchten Weiden eine schöne, weise Hexe namens Silene. Sie hüllte sich gerne in prächtige roséfarbene Gewänder. Niemals klopften die Kranken aus den umliegenden Dörfern vergebens an ihrer Tür.
In dieser Zeit gab es auch einen stolzen Zauberer, Cuculus. Mit seinen schönen großen Augen und seinem prachtvollen Hermelin verführte er so manche Frau.
Aber der Zauberer konnte den strahlenden Augen der Hexe Silene nicht widerstehen. Er verliebte sich unsterblich in sie und verließ seine Frau und sein Kind . Die Hexe und der Zauberer hatten nur noch Augen füreinander und sehr schnell entsprang aus ihrer Liebe eine prächtige Tochter. Die kleine Familie schien wunschlos glücklich bis zu dem Tag, an dem eine neue Frau im Leben des Zauberers auftauchte und er Silene für die neue Frau verließ. Das Kind litt schrecklich unter dem Liebesentzug des Vaters.
In all ihrer Weisheit beschloss die schöne Silene, dass der Zauberer eine Katastrophe für seine Nachkommen war. Er sollte nie wieder durch sein verantwortungsloses Verhalten ein Kind enttäuschen..
Sie verwandelte ihn in einen langweiligen, braunen Vogel der schwervoll durch die Lüfte flog. Und um den Schmach komplett zu machen musste er den ganzen Tag wie ein Kind um Kekse (koek auf holländisch) “koek koek, koek koek” betteln , so das jeder in seiner Umgebung hören würde wo der schlechte Vater saß.
Darum haben die Menschen den Vogel Kuckuck getauft. So sorgte Silene dafür, dass ein jeder zu wissen bekam, dass dies ein verantwortungsloser Vogel war der seine eigenen Kinder im Stich ließ. Aber um zu vermeiden dass die Kinder des Kuckucks vaterlos zurückbleiben würden, legt die Kuckucksmutter seitdem ihre Eier in Nester anderer Vogelpaare die sich liebevoll um ihre Kinder kümmern.
Aber die weise Hexe hatte sich auch ins eigene Fleisch geschnitten. Sie schämte sich sehr, dass sie trotz all ihrer Weisheit nicht bemerkt hatte, dass sie solch einen schlechten Vater verführt hatte. Darum verzauberte sie sich selbst in eine Pflanze mit roséfarbenen und violetten Blumen, die Farben ihrer Lieblingsgewänder.
Doch an einem schönen Sommertag entdeckte der verzauberte Kuckuck Coculus, dass die Hexe die ihn verzaubert hatte sich selbst  in eine schöne violette Blume verwandelt hatte. Er war so wütend über sein eigenes Los als hässlicher, dummer Vogel, dass er die Blätter der Blume zerrupfte.

Bis zum heutigen Tag können wir sehen, dass die Blätter der echten Kuckucksblume zerzaust sind. Und immer noch spuckt der Kuckuck wenn er eine Chance sieht voller Bosheit auf die Blume. Darum sehen wir in den Blattachseln dieser Blume den weißen Spuckschaum des Kuckucks kleben. Deshalb haben die Menschen diese Blume Kuckucksblume getauft.

Es gibt mehrere Kuckucksblumen: die Tag-, die Abend-, die Nacht- und die echte Kuckucklichtnelke. Die Tagkuckuckblume ist die bekannteste und am meisten vorkommende und wächst auf nahrungsreichen Böden. Die echte Kuckucksblume wächst in nassem Heuweideland. Merkwürdigerweise gehören die anderen drei Kuckucksblumen (die im lateinischen Lýchnis flos-cocúli heißen) zu einer anderen Gattung (der Silene). Die Kuckucksblume blüht erst nachdem der Kuckuck zurückgekehrt ist. Möglicherweise beruht der Name Kuckucksnelke auf dem volkstümlichen Namen Kuckucksspeichel. Die Larve der Schaumziklade  bläst Luftbläschen in seine eigenen Ausscheidungen und wohnt darin versteckt vor ihren Feinden.

Der Kuckuck ist einer der letzten Sommergäste der erst gegen April, Mai in Holland ankommt. Er ist ein Brüteparasit. Das Weibchen legt ihr Ei in das Nest eines “Wirtsvogels”. Ihr Ei  ist benahe identisch mit den Eiern des Gastvogels. Der Kuckuck legt seine Eier jedes Jahr bei derselben Vogelart, zum Beispiel dem Wiesenpieper oder der Heckenbraunelle, ins Nest. Nur das Männchen ruft „kuckuck“. Der Kuckuck mag gerne Insekten, haarige und manchmal giftige Raupen die andere Vögel nicht essen. Ab und zu spuckt er die Haare der Raupen wieder aus.

 

© Els Baars, Natuurverhalen.nl

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