Wie der weiße Rabe schwarz geworden ist (006)

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In der germanischen Mythologie wird Wodin, der Gott von Donner und Blitz, von zwei Raben auf dem Laufenden gehalten über das was in der Menschenwelt geschieht. In dieser Zeit waren die Raben bekannt als intelligente und nützliche Vögel. Erst viel später bekam der Rabe einen schlechten Ruf. Sie brachten Unglück und Tod. Wenn man bei Filmen gut hinhört sind es oft Raben die im Hintergrund krähen wenn es gefährlich wird. Auch diese Geschichte hat kein gutes Ende für die Raben. Höre gut zu bei dieser sehr alten christlichen Legende über Selbstsucht.
Viele, viele Monate lang schaukelte die Arche von Noah auf den Wassern der überfluteten Welt.   Nach einer endlos langen Regenperiode und Überschwemmungen klärte sich die Luft langsam auf und man sah durch die grauen Wolken ab und zu ein bisschen Blau am Himmel. Blau war die Farbe der Hoffnung. Die Hoffnung, dass ein Ende der Überschwemmungen und somit der Zorn Gottes gekommen war. Sank das Wasser schon? Konnte man schon irgendwo Land sehen? Noah fragte alle fliegenden Tiere um einen Freiwilligen zu finden der den ersten Erkundungsflug machen sollte.

Der weiße Rabe meldete sich sofort als Freiwilliger. Der große starke Vogel flog Richtung Osten und blieb tagelang weg. Jeder auf der Arche fürchtete das Schlimmste für den schönen weißen Raben. Während alle auf die Rückkehr des Raben warteten, hatte der Regen aufgehört und die Sonne war herausgekommen. Noah war sich sicher das der Wasserspiegel soweit gesunken sein musste, dass die hungrigen Menschen und Tiere irgendwo an Land gehen konnten.

Er fragte einen zweiten Freiwilligen, einen kleinen braunen Vogel der rasendschnell fliegen konnte, auf Erkundungsreise zu gehen. Doch auch dieser Vogel konnte nicht mit seiner plötzlichen Freiheit umgehen. Er vergaß seine Mission und wurde durch Noah verbannt nachdem er nach langem Warten als blauer Vogelz ur Arche zurückkehrte. Daraufhin wählte Noah selbst einen vertrauenswürdigen Freiwilligen. Dieser Vogel, die Taube, kam schon innerhalb eines Tages mit dem grünen Zweig eines  Olivenbaumes in seinem Schnabel zurück, als Beweis, dass die Pflanzen und Bäume im Land wieder wuchsen. Es war wahr, das Wasser sank! Es gab wieder eine Zukunft für Menschen und Tiere!

Ein paar Tage nach der Taube kam der weiße Rabe zurück. Er war unglaublich dick und vollgefressen. Auf die Frage warum er so lange weg gewesen sei antwortete er entschuldigend:“ Ich sah ziemlich schnell wunderschönes grünes Land von dem sich das Wasser zurückgezogen hatte. Ich bin ein Aasfresser und sah Futter im Überfluss. Da habe ich mich draufgestürzt und durch all das Essen habe ich ganz vergessen hierher zurückzufliegen und euch Bericht zu erstatten.“  Schuldbewusst senkte der Rabe seinen Kopf. Noah war sehr zornig und als Strafe für den Egoismus des Raben veränderte er das starke weiße Tier das so schön sang in einen großen schwarzen Vogel der nur noch krähen konnte.

Die Germanen sahen den Raben als einen weisen Vogel und einen Boten von Gott. Später wurde er als Vogel des Bösen gesehen, wahrscheinlich weil Raben große Kadaver fressen.  Raben sind große Vögel die eine Flügelspannweite bis zu 1.20 Meter erreichen können. Sie sind sehr intelligent. Sie bleiben ihren Partnern lebenslang treu. Die Nester aus Zweigen, hoch in den Bäumen bewohnen sie über viele Jahre. Raben sind Aasfresser. Allerdings fressen sie hauptsächlich Fleisch von Insekten, Fischen, Kaninchen, kleinen Vögeln und Kadaver von durch Autos überfahrenen Tieren.
Der Rabe kam in den Niederlanden und Belgien viel vor, wurde aber im 20ten Jahrhundert ausgerottet. In den 70er Jahren wurden sie auf der Veluwe wieder eingeführt. Dort leben mittlerweile ungefähr 90 Paare.

 

© Els Baars, Natuurverhalen.nl

 

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