Warum der Teufel in das Rohr gebissen hat (046)

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Der Teufel hat vor langer Zeit in jedes Rohrblatt gebissen, aus Wut über einen verlorenen Wettkampf mit Gott. Der Beweis hierfür sind die drei kleine Pünktchen, die in der Mitte des langen schmalen Rohrblattes sichtbar sind und deshalb  “Teufelsbiss“ genannt werden. Rohr ist ein prächtiges und einzigartiges Gewächs. Wie diese Pflanze auf die Erde gekommen ist, davon erzählt diese alte Legende mit einem Augenzwinkern, höre zu:


Als Gott die Erde in sechs Tagen geschaffen hatte, ruhte er  am siebten Tag. Die Woche danach besserte er noch einiges an die Schöpfung, aber dann war alles fertig. Während den ersten paar Wochen fand Gott es herrlich um in aller Ruhe diese wunderschöne Schöpfung zu genieβen, aber danach bekam er Langeweile.
Nach diesen Tagen stellte sich heraus daβ nicht alles perfekt war; da war ein Übel. Der Teufel konnte nicht ertragen daβ Gott so eine wunderschöne Welt geschaffen hatte und er sabotierte das Ganze so ab und zu. Durch teuflische Streiche juckten manche Pflanzen gewaltig nach Berührung und erschienen Dornen an die Rosen. Aber auch der Teufel hatte so ab und zu Langeweile.
Eines Tages begegneten Gott und der Teufel sich während eines Spazierganges und sie bemerkten gegenseitig die Langeweile.  “Ich habe eine Idee. Wollen wir ein Spiel spielen wenn wir Langeweile haben?“ fragte Gott und der Teufel fand dies eine gute Idee. Jedoch gab es einen Spielregel: einer sollte immer gewinnen. Meistens gewann Gott und dies konnte der Teufel nicht leiden.

Eines Tages brauchte Gott eine Herausforderung und klopfte an die Tür des Teufels. “Gott,“ sagte der Teufel, “ich habe einen Plan für ein ganz schwieriges Spiel. Wer von uns beiden wird wohl das schönste Gewächs auf Erde schaffen, ein Gewächs das es noch nicht gibt, das besser und schöner ist als alles was schon geschaffen worden ist.“ Gott war hiermit einverstanden und sie gaben sich gegenseitig eine Woche die Zeit dieses neue Gewächs zu schaffen.
Sowohl Gott als auch der Teufel hatten eine schöne Woche ; mit viel Vergnügen arbeiteten sie an die neue Schöpfung und beide waren am Ende der Woche davon überzeugt den Wettkampf zu gewinnen weil sie wahrhaft etwas ganz besonderes geschaffen hatten.

Als sie sich nach sieben Tagen wieder trafen, war es ein sonniger Sommertag. Der Teufel bot Gott an als Erster an zu fangen. Nach einer Viertelstunde laufen zeigte Gott auf einen Feld voller hohen Gräsern. “Schau mal,“ sagte er zum Teufel. “wie schön diese Gewächse im Wind wiegen und wie die Sonne es wunderschön goldgelb färbt. Ich nenne es Getreide.“ Der Teufel klickte mit seiner Zunge und sagte: “Es ist wunderschön, wirklich wahr, sehr schön. Aber komm mit, ich bin der Meinung daβ ich noch etwas viel schöneres geschaffen habe.“  Er nahm Gott mit sich und sie gingen einen Deich hoch. “Schau,“ sagte der Teufel  “ich habe auch ein besonderes Gras geschaffen. Schau, wie bezaubernd dieses Feld ist. Jede Jahreszeit schaut es anders aus. Im Frühling ist es klein und zart grün, im Sommer wiegen sich die lila Ähren und im Winter ist es goldig gefärbt und rauscht der Wind durch die Blätter. Dieses Gewächs nenne ich Rohr. Gott war beeindruckt von diesem neuen Gewächs. “Es ist prächtig was du geschaffen hast, Teufel, wirklich wahr.“ Der Teufel lachte stolz. “Aber,“ fuhr Gott fort “ich muβ dir sagen daβ dein Gewächs wunderschön ist, aber ich mein Getreidefeld doch schöner finde; es ist mehr verfeinert. Also finde ich daβ ich gewonnen habe.“ Hiermit war der Teufel nicht einverstanden. Den ganzen Tag debatierten sie über das Ergebnis, aber wurden damit nicht fertig. Sie hatten einst abgemacht daβ es immer einen Sieger geben sollte und jetzt schien es doch zum ersten Unentschieden zu kommen. Gerade in diesem Moment kamen zwei Menschen vorbei: “Adam und Eva,“ rief Gott “ihr kommt wie gerufen. Wir haben einen Wettkampf wer wohl das schönste Gewächs geschaffen hat, aber wir werden damit nicht fertig und es soll einen Gewinner geben. Entscheide doch mal wer das schönste Gewächs geschaffen hat. Ihr seid die Schiedsrichter. Adam und Eva machten groβe Augen als sie die wunderschöne Felder sahen und sagten daβ beide Gewächse wirklich traumhaft waren und es Unentschieden war. Aber dies akzeptierten Gott und der Teufel nicht. Es sollte einen Gewinner geben. Adam und Eva dachten lange nach und dann sagte Eva: “Wir sind der Meinung daβ sie eigentlich gleich schön sind, aber wenn wir wählen müssen, dann soll das Getreide gewinnen. Denn Getreide ist auch Nahrung für uns Menschen. “ Daraufhin geriet der Teufel in blinder Zorn. Noch nie hatte er etwas schöneres geschaffen und schon wieder hatte Gott gewonnen. Aus Frust und Wut biβ er von da an in alle Blätter von dem Rohr. Und dies kann man bis am heutigen Tag erkennen. Denn wenn man gut hinschaut, sieht man daβ in der Mitte jedes Blattes noch immer die Abdrücke der scharfen zähne des Teufels sichtbar sind. 

 

Dank dieser Teufelsbissen kann man Rohr von den anderen Arten aus der Gräserfamilie unterscheiden. Immer mehr werden Helofytenfilter angelegt die gröβtenteils bestehen aus Rohr und Riedkolben um Fluβ-oder Grabenwasser zu reinigen. Ein Helofytenfilter funktioniert folgendermaβen:
Zuerst flieβt das Wasser langsam in einen untiefen Graben und dabei sinken chemische Veruntreinigungen und schwere Metalle nach unten.  Ab und zu wird dieser Schlamm entfernt und abgeführt. Weiterhin werden die Uferstreifen verbreitert und sie führen schwach hinunter. In diesem nassen Streifen wachsen vor allem Rohr und Riedkolben, die den Fosfaten und Nitraten in seinem Stängel  aufnehmen. Im Winter wird das Rohr gemäht und abgeführt.
Sauberes Wasser flieβt dann in den Naturlandschaften. Das nahrungsreiche Wasser ist jetzt ärmer an Nahrungsstoffen, weshalb mehr Sauerstoff ins Wasser kommt. Hierdurch wachsen weniger Seegräβer im Wasser. Dies ist günstiger für die meiste Wasserpflanzen und Tiere: es entsteht immer mehr Variation. Eigentlich müβte es diese Filter überall geben, denn das Oberflächewasser in den Niederlanden soll rein sein für Menschen (Kinder) und Tiere. Diese Filterstreifen sind perfekt für Amphibien und Vögel und bilden Wochenzimmer für Fische. Sogar im Herzen Amsterdams gibt es Helofytenfilter in den Grächten, wie in der Lijnbaansgracht.

 

© Els Baars, Natuurverhalen.nl

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