Warum das Massblümchen blutrote kleine Kanten hat (042)

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Eine der wenigen einheimischen Blumen die man im Winter hier und dort noch in voller Blüte sehen kann ist das reizende Massblümchen. Viele Märchen datieren von vor unserer Zeitrechnung. Auch die nachstehende Geschichte über das Massblümchen wurde wahrscheinlich schon von unseren batavischen Urmuttern erzählt. Höre diese rührende Legende zu:

Auf dem Weg von nichts nach nirgendwo stand ein verfallenes Häuslein aus Holz. Dort wohnte die Tochter eines Zauberers, aber sie ähnelte ihrem Vater nicht und konnte nichte zaubern. Dies schadete ihr nicht. Sie war eine nette, geduldige Frau die mit Sorge und Sorghalt in ihrem Gemüsegarten arbeitete und die Wolle ihrer Schafe spann für warme Pullover die ihren Mann und ihren Sohn gegen die Kälte schützen sollte. Auch wenn es in diesem schon lang verflogenen Tagen keine Läden voller Spielzeug  gab, langweilte ihr kleiner Sohn sich keinen Moment; an schönen Tagen spielte er im Gemüsegarten bei seiner Mutter oder im Wald bei seinem Vater und an stürmischen Herbsttagen und in rauen Winterperioden spielte er mit dem Spielzeug das seine Eltern selbst gebastelt hatten. Dass war so die Gangart in jener Zeit: Väter und Mütter bastelten sich selbst Spielzeug für ihre Kinder. Eines Tages platschte der Regen gegen die Fenster und Mutter und Sohn bastelten Blümchen. Um ein gelbes Herzlein herum klebten sie viele kleine gerade weisse Blumblättchen. Die Mutter bastelte mit einem kleinen Messer die schmalen Blumblättchen, aber als sie fast fertig war rutschte das kleine Messer aus und schnitt sie sich in ihrem Finger. Einige Tropfen Blut färbten die Blumkanten rot. Sie warf die misslungene Blümlein weg und fing von Neuem an. Der Bube holte sie später aus dem Mühleimer und hob sie in einer kleinen Dose unter seinem Bett auf.
Schon schnell stellte sich heraus dass der Junge die überirdische Eigenschaften seines Grossvaters vererbt hatte und er entwickelte sich zu einem ausgezeichneten Zauberer. Viele Jahre später, als seine Mutter schon gestorben war, fand er die kleine Dose zurück mit den Blumen die seine Mutter weggeworfen hatte nachdem sie sich geschnitten hatte. Er lief hinaus und zur Erinnerung an seiner liebevollen Mutter brachte er die weissen Blumen zum Leben. Die Blumen sollten die Menschen aufheitern und vor allem den Kindern Freude bringen. Er nannte sie Massliebchen, von dem mittelniederländischen matelieve ( ‘liebe Mutter’)ins Deutsche entlehnt. Diese weisse Blumen hatten so viel Spass, dass sie sich weit und breit verbreiteten.

Wie wissen wir dass unsere Massblümchen von diesen Zauberblumen abstammen? Wenn man richtig hinschaut kann man sehen dass morgens wenn die Sonne noch nicht scheint, die Blümchen an den obersten Spitzen rot gefärbt sind. Wenn die Sonne scheint öffnet sich die Blume, schau dann an die Unterseite und man kann sehen dass sie von der Blume des Bubens herkommt.

Das Massblümchen wächst an sonnigen Orten wo Menschen oder Tiere laufen und darum die Bewachsung kurz gehalten wird.Wie eine der wenigen Pflanzen weisst das Massliebchen wie es überleben soll wenn es zertreten oder mit dem Rasenmäher kurz gemäht wird, genauso wie der Wegerich. Dies nennen wir eine  ‘Trittpflanze’. Es sind typische Pionierpflanzen, die rasch von höheren Pflanzen überwuchert werden und verschwinden. Das Massblümchen ist ein richtiger Liebhaber der Sonne: es öffnet sich wenn die Sonne scheint und schliesst sich abends und an sonnenlosen Tagen. Nicht alle Blumen haben rote Blumkanten.

 

 

© Els Baars, Natuurverhalen.nl