JUDASOHR, Die Ohren eines Verräters

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Manchmal werden sie während einer Wanderung denken: sehe ich wirklich ein Ohr auf dem Holz dieses Holunders oder dieser Esche oder scheint es nur so? Wahrscheinlich sehen Sie dann das Ohr von Judas, dem Apostel der in der Bibel im Tausch für Geld Jesus den Verräterkuss gab. Wie sein Ohr auf dieses Holz gekommen ist lesen Sie in dieser christlichen Legende voller Gewissensbisse.

Einige Stunden nach dem letzten Abendmahl verriet Judas Jesus mit einem Kuss für den er dreißig Silbertaler bekam. Als er sah das Jesus gefangen genommen und gefoltert wurde bereute er jedoch seinen Entschluss. Das Blutgeld warf er weg. Seine Gewissensbisse zogen ihm das Herz zusammen und er bereute die Folgen seiner Tat zutiefst. Der einzige Ausweg erschien ihm vom Erdboden zu verschwinden. Mit einem dicken Tau kletterte er in den erstbesten Baum den er antraf. Dies war eine Weide. Er knüpfte den Strick an den höchsten Ast und sprang… Die Weide ächzte unter der schweren Last aber wollte nicht mithelfen beim Tot dieses Verräters. Die Weide bückte sich tief nach unten so dass Judas auf dem Boden stehen konnte. Seitdem hat dieser Baum den Namen Trauerweide; der Baum trauert um den Tod von Jesus.

Judas gab jedoch nicht auf und kletterte in den nächsten Baum, einen Holunder. Allerdings wusste der verstoßene Apostel nicht, dass der Holunder aus starren, hohlen Zweigen bestand. Als er sprang beugte der Ast sich ein kleines Stückchen brach aber danach schnell ab und Judas viel hart vom Baum herunter. Bei seinem Fall riss er sich allerdings ein Ohr an der Rinde des Holunders ab.
Mutlos lief er zu dem nächsten Baum, einer Esche. „Aller guten Dinge sind drei” dachte er. Zum dritten mal knüpfte er seinen Strick gut an einem dicken Ast der Esche fest und sprang…. Die schlanken aber starken Aste wippten leicht unter dem Gewicht brachen aber diesmal nicht. Judas hatte es geschafft. Doch während seines Falls riss er sich an einem Zweig auch noch sein anderes Ohr ab. Seitdem wachsen Judasohren an dem Holz der Esche und des Holunders. Doch wie können wir uns sicher sein das diese Geschichte wahr ist?

Schaue dir einmal genau so einen fleischfarbigen Pilz an. Vor allem wenn die Sonne auf ihn scheint sieht man ganz deutlich die Blutgefässe die sich durch den Pilz ziehen. Und wenn Sie ihn berühren fühlt sich der Pilz so weich an wie ein echtes Menschenohr.

 

Judasohr, die Auricularia auricula judae, wächst auf der Rinde von großen lebenden oder toten Holunderbäumen die auf schattigen Plätzen stehen und auf abgestorbenem Eschenholz. Es ist ein Gallertpilz. Das ist ein Pilz mit einem geleeähnlichen Fruchtträger. Wenn er ausgetrocknet verschrumpelt er zu einem dunkelbraunen Pilz der allerdings wieder aufschwillt sobald er mit Wasser in Berührung kommt. Wenn er feucht ist sieht er aus wie ein Ohr. Das Judasohr ist ein Parasit der auf Kosten seines Gastgebers lebt. Die Größe des Judasohr kann 2 bis 10 Zentimeter betragen und ist ein essbarer Pilz.

 

© Els Baars, Natuurverhalen.nl

 

 

 

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