Das Weideröschen, Und die Liebe zwischen einer Elfe und einem Kobold (009)

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Im Sommer sind viele Flächen und Orte im Wald wunderschön rosarot gefärbt durch das Blumenmeer der Weideröschen. Die Entstehungsgeschichte des Weideröschens ist eine sehr romantische. Höre gut zu:
Vor sehr sehr langer Zeit lebte am Rand des Waldes, inmitten von prächtigen Blumen eine Elfenfamilie in einem wilden Rosenstrauch. An warmen Sommertagen spielten die Elfenkinder im kühlen Schatten des Waldes. Eines schönen Tages sah eins der Elflein einen Kobold von einer alten Weide herunterklettern. Von diesem Tag an waren das Elflein und der Kobold unzertrennlich und spielten im Sommer jeden Tag miteinander im kühlen Wald.

Als sie älter wurden verliebten sie sich ineinander und beschlossen, dass sie den Rest ihres Lebens miteinander verbringen wollten. Ihre Eltern waren überrumpelt von den Plänen ihrer Kinder und verboten ihnen noch länger zusammen zu sein. Elfen und Kobolde heiraten einander nicht! Elfen heiraten Elfen und Kobolde heiraten Kobolde. Das bedrückte Elflein und der tieftraurige Kobold machten sich auf den Weg zur Elfenkönigin um sie um Rat und Gutheißung zu fragen. Doch auch sie sagte:“ Eine Elfe und ein Kobold auf einem Kissen, da sitzt der Teufel zwischen.“
Der Kobold kehrte zurück zu seiner Weide und trauerte so lange, dass aus seiner Weide eine Trauerweide geworden war. Das Elflein zog sich zurück in den Rosenstrauch am Rand des Waldes und weinte ununterbrochen. Die Eltern des Elfleins machten sich große Sorgen um die zunehmend schlechter werdende Gesundheit ihrer Tochter und fragten die weise Elfenkönigin um Rat. Die begriff den Ernst der Situation und zog an einem klaren Herbstmittag in Richtung Koboldkönig um sich mit ihm zu beraten. Zusammen kamen sie zu dem weisen Entschluss, dass die zwei fortan für immer zusammen leben durften, allerdings nicht in der Gestalt einer Elfe und eines Kobolds sondern mit einem neuen Äußeren. In der Form einer neuen Pflanze, dem Weideröschen.

Dankbar und überglücklich akzeptierten beide den Vorschlag und seitdem lebten sie glücklich und unzertrennlich und bekamen viele Nachkömmlinge.

 

Wenn man sich das Weideröschen im Sommer gut anschaut sieht man in den wunderschönen zarten Blättchen die Flügel des Elfleins und im Griffel ihr Feenstöckchen. Im Herbst erkennt man den Bart des Kobolds in den bauschigen Saattrauben.

Das Weideröschen kommt im Allgemeinen an offenen Stellen, wie zum Beispiel Weg und Bachrändern, Baustellen und Waldrändern vor. Obwohl es eine Pionierpflanze ist, pflanzt es sich hauptsächlich über die langen Wurzelstöcke fort die bis zu 25 Jahre alt werden können und Jahresringe haben. Unter Rehen ist das Weideröschen heiß begehrt und wird darum auch als Indikator gesehen. Gibt es  im Wald nur wenige Weideröschen sind dort wahrscheinlich viele Rehe zu finden. Gibt es viele Weidenröschen, sind dort wenige oder keine Rehe. Nach der Blüte produziert die Pflanze hunderttausende fusselige Samen die durch den Wind weggeweht werden. Die Saat bleibt jahrelang keimfähig.

 

© Els Baars, Natuurverhalen.nl

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