Wie das Rotkelchen eine rote Brust bekam (045)

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Fast alle finden das Rotkelchen rührend. So ein tapferes Fusselchen mit einer roten Brust. Wussten Sie dass dieses Vögelchen versucht hat den Schmerz von Jezus zu mildern während der Kreuzigung und darum eine rote Brust bekam. Höre diese christliche Legende zu voller Erbarmen:

Als während den ersten Tagen die Tiere geschaffen wurden gab es nicht genügend Teile für so viele neue Geschöpfe. Darum musste man sich manchmal behelfen. So bekam das Färkel ein kleines rosa gelocktes Schwänzchen weil die schöne rüstige Schwänze alle waren. Auch das Kaninchen musste zufrieden sein mit einem komischen weissen Fusselchen auf der Rückseite.
Anfangs bekamen viele Vögel wunderschöne Farben, aber die wurden immer weniger stürmisch weil die Farbe ausging. Als ein neuer Vogel an der Reihe war, war nur noch ein bisschen braune Farbe übrig. Deshalb wurde dieses neue Tierchen  “ Braunvögelchen “ genannt. Es war ein kleiner Vogel mit einem runden Bauch, ganz dünne schwarze Pfötchen und einem spitzen Schnabel. Wegen seiner braunen Farbe war er ganz unauffällig als er auf der Suche ging nach kleinen Insekten im Gebüsch. Aber die Braunvögelchen waren nicht zufrieden mit ihrem langweiligen Aussehen, sie wollten auch schön aussehen. Eines Tages, so vor 2000 Jahren, sah ein Braunvogel von seinem Baumzweig herab dass Jezus,  gebückt unter einem schweren Kreuz, durch die Strassen von Jerusalem gezogen wurde. Eine Krone aus Dornen steckte in seinem blutigen Kopf. Das Braunvögelchen bekam Mitleid und flog herunter. Um den Schmerz zu lindern zog sie eine Dorne aus seinem Kopf. An dieser Dorne hing einen Tropfen Blut und dieser fiel auf ihre Brust. Die rote Farbe ist nie mehr verschwunden. Weil ein einziges Braunvögelchen den Schmerz von Jezus versuchte zu lindern, bekamen alle Braunvögel, die Weibchen und die Männchen, als Dankeschön von Gott von diesem Tag an eine rote Brust. Sie sind so freudig mit deren schönen roten Brust, dass sie die immer stolz vorstrecken, ob sie damit sagen wollen: “ Schau mal wie schön ich bin! “. Wegen der auffallenden Farbe des Brustes fingen die Menschen an diesen Vogel  “ Rotkelchen “ zu nennen. Das Rotkelchen ist wegen ihrer guten Tat eines der meist bekannten und beliebten Vögelchen geworden.

Rotkelchen sind immer früh wach, genau nach der Amsel. In der frühen Morgendämmerung kann man das klare platschernde Lied gut horen und wenn man genau zuhört, hört man sie noch immer leise aber dankbar brabbeln wie froh sie mit ihren roten Kelchen sind.

Rotkelchen leben ausserhalb der Brütezeit solitär in einem eigenen Territorium. Artgenossen werden resolut verjagt, genauso wie die kleine Vögel die die gleiche Nahrung haben, wie der Heckenspatz und der Zaunkönig. Obwohl viele das Rotkelchen als sehr entzückend empfinden, sind sie bei der Bewachung sehr aggresiv und kämpfen bis zum Bluten mit deren Rivalen. Bemerkenswert ist dass sowohl Männlein als Weibchen singen. Rotkelchen ziehen im Herbst zum grössten Teil ins nahe Süden. Ihre Artgenossen aus dem hohe Norden übernehmen die Territorien in den gemässigten Gebieten. Weil im Herbst die neu Angekommenen wieder ein Territorium verteidigen müssen, sieht es so aus ob sie fast das ganze Jahr hindurch deren ruhiges plätscherndes Lied singen. Junge Vögel haben noch keine rote Brust.

 

© Els Baars, Natuurverhalen.nl