Wie das Holz der Erle rot wurde (005)

Also available in: nlNiederländisch enEnglisch frFranzösisch deDeutsch

Die Winterperiode ist wie eine Ruhepause der Natur. In vielen Naturgebieten werden Bäume beschnitten. In Bauern Büsche werden Eschen, Weiden und Erlen bis zum Stumpf gekürzt. Das Holz der ersten beiden ist weiß. Doch wussten sie, dass das Holz der Erle rot ist? Wie es dazu kam ist eine makabere Geschichte. Hören sie gut hin bei dieser alten keltischen Legende.

Vor langer, langer Zeit pflückte Jacu, ein zehnjähriges Mädchen, in der frühen Morgenstunde Preiselbeeren unter einer Gruppe von Bäumen. Die Landschaft mit hier und da ein paar Grüppchen krummen, armseligen Bäumen sah offen und weit aus. Sie ähnelte dort den Landschaften die wir heutzutage noch in den trockeneren Teilen der Oostvaardse Seenplatte in den Niederlanden antreffen. Es versprach ein schöner Tag zu werden und die aufgehende Sonne vertrieb schnell die letzten Nebelfelder. Plötzlich sah Jacu aus dem Nebel heraus eine Gruppe Zauberer näher kommen. Sie fürchtete die mächtigen Männer und kletterte blitzschnell auf eine alte, beinahe hundert Jahre alte Erle. In der Baumkrone drückte sie sich gegen die braune Rinde und wartete gut versteckt in der grünen Blätterhöhle ab was kommen würde. Die Gruppe Zauberer setzte sich ausgerechnet am Fuß der Erle in der Jaco sich versteckt hatte, im Kreis hin. Entsetzt beobachtete sie wie die Zauberer eine tote Frau auf den Boden legten. Der größte Zauberer schnitt den Leichnam mit einem großen Messer in Stücke. Was folgte war ein Zauberritual. Mit großen Augen sah Jacu zu wie die Zauberer die Körperteile der Frau immer wieder hochwarfen, hoch und runter, höher und höher, während sie murmelnd mysteriöse Geräusche machten. Einer der Zauberer warf jedoch so hoch, dass plötzlich, ohne das der Zauberer es bemerkt hatte, ein Unterarm auf den Ast viel auf dem Jacu sich versteckt hielt. Der Unterarm blieb an dem Zweig hängen. Die Männer in ihren schwarzen Gewändern fuhren noch ein paar Minuten fort mit ihrem Ritual. Dann konnte Jacu beobachten wie sie die Teile des Körpers wieder sorgfältig aneinander legten…., doch es fehlte der rechte Unterarm!
Stechende Augen wandten sich nach oben. Jacu drückte sich noch enger an den Baum, doch die Männer sahen nichts und drehten sich schulterzuckend um.
Der älteste Zauberer sägte einen mittelgroßen Ast vom dem Baum ab. Er hackte und schnitzte den Ast in Form eines Armes und legte ihn an die Stelle des fehlenden Körperteils. Jacu hörte die Gruppe geheimnisvolle Geräusche machen. Alle Zauberer streckten ihre Arme in Richtung der Frau aus. Der älteste schwang seinen Zauberstab und dann wurde es totenstill. Jacu konnte ihren Augen nicht trauen als sie sah, dass die Frau die Augen öffnete und sich bewegte. Sie lebte wieder!
Die Zauberer und die Frau standen ruhig auf und liefen aus dem Wäldchen in das Flachland hinaus.
Nachdem die Zauberer schon lange nicht mehr zu sehen waren kletterte Jacu von der Erle herunter und rannte so schnell sie konnte nach hause wo sie erzählte was sie gesehen hatte. Seit diesem Tag wird das Holz der Erle rot wenn man sie umsägt. Rot von dem Blut das die Erle den Toten gibt um zurück zu kehren in die Welt der Lebenden.

Keltische Krieger benutzten Teile der Erle für die Wundversorgung während der Schlachten.
Die Erle ist ein typischer Baum aus den nassen Gebieten Westeuropas. Früher standen viele Erlen in den Feuchtgebieten hinter den Dünen und in den Deltas der großen Flüsse. Das Holz ist weich, doch im Wasser sehr dauerhaft. Es wird benutzt für Grundpfähle und Uferbefestigungen. Venedig ist größtenteils auf Pfählen von Erlen- und Lindenholz gebaut. Achten sie mitten im Sommer einmal auf den Blütenbeginn. Man sieht an den Enden der Zweige meist drei Generationen: die alten Erlenknospen der letzten Jahre, die grünen Erlenknospen des kommenden Winters und die jungen Kätzchen des kommenden Frühlings. Stiglitze lieben die Samen in den Erlenknospen.